Der Welsh Springer Spaniel

Von Jürgen Wallat

Es faszinieren der überaus freundliche Ausdruck, die Art der Bewegung, der Charakter und das rot/weiße Fell. Genau diese vier Kriterien sind es, die Hundeliebhaber immer wieder zu Welsh Springer Spaniel-Freunden werden lassen.

Herkunft

Nachforschungen über die Herkunft dieser Rasse gehen weit bis ins 13./14. Jahrhundert zurück. Aus den
Quellen wird deutlich, dass alle Landspaniel gemeinsame Vorfahren haben. Erst am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts trug man unterschiedliche Varietäten ein. Kleine Spaniel wurden wahrscheinlich aus Spanien und möglicherweise aus Frankreich im 13. und 14. Jahrhundert von Königen, Aristokraten, zurückkehrenden Soldaten und anderen als Geschenke für ihre Ladies mitgebracht.

Es war der erste Herzog von Marlborough, der „Blenheim-" oder "Woodstock Spaniel", wie sie genannt wurden, zur Rebhuhn-Jagd benutzte. Irgendwann wollte er einen größeren Spaniel, und so kreuzte man diese wahrscheinlich mit den hochläufigeren "Setting Spaniels" (unseren Settern). Diese wurden zum Anzeigen von Wild bei der „Netzjagd" eingesetzt. Das daraus entstandene Ergebnis war der „Cocking Spaniel" oder Cocker Spaniel, so wie wir ihn kennen.

Typischer Waliser

Wales war bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts ein sehr isoliertes Land, und die Spaniels, die ihren
Weg dorthin fanden, wurden ohne Zweifel „hineingezüchtet". Über viele Jahre als „Welsh Cocker" oder „Starter" bezeichnet, waren diese aktiven, intelligenten und hart arbeitenden Spaniels in der Principality of Wales beheimatet. Man kannte sie als Arbeitshunde in den unterschiedlichsten und schwierigsten Arealen ihres Heimatlandes, und es scheint, dass nur wenige Exemplare die Grenzen nach England überquerten.

Auf vielen Landschaftsgemälden aus vergangenen Jahrhunderten kann man rot-weiße Spaniels sehen. In der Tat kommen in allen Spaniel-Rassen, gleichgültig ob Woodstock (Blenheim), Cocker oder Clumber
rot-weiße Exemplare vor. Deshalb sind die meisten abgebildeten Hunde rot-weiß; es gab aber keineswegs nur eine einzige Spaniel-Rasse, wie man daraus fälschlich ableiten könnte. Sorgfältig verfolgte, jagdliche Zuchtprogramme brachten je nach jagdlichen Ansprüchen und Geländetyp, in dem die Hunde arbeiten sollten, unterschiedliche Varietäten und Farben hervor. Nur die Spaniels aus Wales behielten die Originalfarbe.

Ode an den Welsh Springer Spaniel

Ein ganz besonders treffendes Bild zeichnete R. Jacobs in seiner „Ode“, in der er unter anderem sagte:
"Kein Trottel, kein Schoßhund süß und sanft, manchmal rebellisch, wechselhaft wie der Wind in den Bergen von Wales, aber immer lieblich wie diese."

Nach den Weltkriegen

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, galt der Welsh Springer Spaniel bereits als sehr gut etabliert, obwohl die Hauptaktivitäten auf die in Wales ansässigen Züchter begrenzt waren. Das Zuchtbuch aus dem Jahre 1917 weist keine Eintragungen von Welsh Springer Spaniels auf. Im Zuchtbuch von 1921 machte der Reverend B. J. Nelson nur einen Eintrag unter der Rubrik "Welsh Springer". Wie auch immer, all diese Unbekannten bilden die Basis des heutigen Welsh Springer Spaniels. Dessen Abstammung muss zweifelsfrei auf die Hunde aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg zurückgehen, weil der Typ konstant geblieben ist. Es ist wahrscheinlich, dass die Züchter in der Notlage des Krieges keine Zeit hatten, ihre Würfe eintragen zu lassen.

Frühe Förderer der Rasse

Ein gewisser Colonel Blandy-Jenkins und ein Mr. Williams förderten zusammen bewusst den rot-weißen Spaniel von Wales. Sie waren entschiedene Befürworter der Rasse und schlugen dem britischen Kennel-Club 1902 vor, die Rasse endlich in ihrer Eigenständigkeit zu akzeptieren. Erstmalig wurde noch im selben Jahr ein Welsh Springer Spaniel als solcher registriert, und 1903 erschien ein Welsh Springer Spaniel im Zuchtbuch.

Mr. Williams fuhr als einer der Hauptzüchter in seinen Bemühungen fort. Die meisten Hunde hinter den frühen Zuchtbucheinträgen waren entweder in seinem Besitz, von ihm gezüchtet und in anderen Händen. Die restlichen Einträge stammten hauptsächlich aus nicht registrierter Herkunft. Im Zuchtbuch von 1904 stammten acht von elf Einträgen aus der Welsh-Zucht von Mr. Williams.

Inzwischen ist die Rasse über 100 Jahre alt und in der ganzen Welt beliebt. Während der vergangenen 90 Jahre gab es engagierte Züchter, die den unverwechselbaren Kopfpunkt und einen ganz bestimmten Typ favorisierten; die auf ein korrektes Gebäude, auf Balance und Gesundheit achteten und sich an der hellen Intelligenz ihrer einzigartigen Welsh Springer Spaniels erfreuten.

Zucht in Deutschland

Herr und Frau Hinckeldeyn waren die ersten Züchter von Welsh Springer Spaniels nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland. 1977 erhielt „Hinckeldeyn’s Freche“ den Weltsieger-Titel.

Zitat von Jürgen Jordan 1982 in der Festschrift zum 75jährigen Jubiläum des JSpK (Richter u. Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft „Andere Spanielrassen“:
„Intensive Bemühungen mit persönlichem Engagement haben den Welsh Springer nicht zu der erhofften Zuchtbreite geführt, wie vielleicht von der äußeren Erscheinung und den jagdlichen Einsatzmöglichkeiten vorausgesehen wurde. Er ist auch in England nur ein regional manifestierter Hund. Die Schwankungen innerhalb des Typs sind selbst im Mutterland groß. Auf deutschen Ausstellungen sind leider diese Erscheinungen ebenfalls zu vermerken. Deutlich wird die Differenz in der Größe, der Substanz und im Kopfschnitt. Eigenartigerweise ist hier die offene Vorhand als typisches negatives Rassemerkmal anzusehen, so dass man froh sein muss, harmonische Bewegungsabläufe vorzufinden.“

Dass das Züchten dieser Rasse nicht einfach ist, zeigt sich darin, dass sich in den vergangenen zwanzig Jahren über zehn Neuzüchter in der WSS-Zucht versuchten und nach einem oder zwei Würfen aufgaben.

Wesen und Erziehung

Als Heranwachsende haben diese Hunde ein überschäumendes Temperament, das man nur mit viel Mühe, Liebe und dem schnell dazugelernten Durchsetzungsvermögen in den Griff bekommt. Am besten lässt man sich dabei in einer Hundeschule helfen. Plötzlich, ganz überraschend, ist das "Problem" dann ausgestanden. Von da ab ist der Welsh in der Regel ein ruhiger, ausgeglichener Freund und Begleiter, der für sein Leben gerne spielt, arbeitet und überall dabei sein möchte. Er ist außerordentlich lieb zu Kindern. Für die Zwingerhaltung eignet sich der Welsh Springer absolut nicht, da er die menschliche Nähe braucht. Als sehr intelligenter Hund sucht er ständig Augenkontakt, um im Blick seiner Menschen zu lesen, was los ist oder was als nächstes kommt. Tut sich da nicht viel, ermuntert er zum Spielen, indem er sich auf den Rücken wirft und
sich hin- und her wälzt – verbunden mit vielen Geräuschen. Meistens hat er Erfolg. Geht man darauf ein, wälzt er sich während des Kraulens weiter. Hört man auf, springt er auf, sucht schnell den Ball und steht schon an der Tür. Draußen geht's erst richtig los! Im Urlaub gibt es dann die Steigerung: Der Ball muss immer ins Wasser fallen, am liebsten in die Nordsee und das bei jedem Wetter. Kälte mögen Welsh Springer Spaniels übrigens viel lieber als Wärme oder gar Hitze.

Bei der Erziehung oder beim Training versteht dieser Hund zwar, was man von ihm will, aber er versucht gerne abzulenken oder den Befehl zu umgehen. Der Welsh Springer Spaniel kann ein richtiger Dickkopf sein! Am besten arbeitet er, wenn er merkt, dass man sich riesig über jede richtige Ausführung freut.

Beschäftigung

Am allerliebsten arbeitet der Welsh Springer Spaniel natürlich jagdlich. Viele Jagdschein-Besitzer haben
sich einen "Welsh" zugelegt. Neben dem Stöbern und Apportieren hat er auch die Veranlagung zum
Markieren von Wild, mancher Welsh ist Tot-Verbeller. Sein Laut unterscheidet sich bei Hasen, Feder oder Rotwild. Der Welsh Springer Spaniel arbeitet passioniert, willig und ausdauernd und zeigt enormen vorwärtsdrang. Wenn Jagdarbeit nicht vorgesehen ist:  Als Begleithund für Wanderer, Jogger, Radfahrer oder Rollerblader eignet er sich hervorragend. Agility macht der "Welsh" mit Begeisterung, auch als Rettungs- und Therapiehund hat er sich bewährt, Was immer man mit ihm auch vorhat: Der Welsh Springer Spaniel braucht viel Bewegung! Man sollte schon täglich ein paar Stunden Zeit für ihn haben.

Pflege und Gesundheit

Sein seidiges Haarkleid ist relativ pflegeleicht und lässt sich gut kämmen. Das Haar an den Ohren (innen und außen) und am Hals bis zum Brustbein und an den Pfoten muss kurzgehalten werden. Der Welsh Springer ist der einzige unserer Spanielrassen, der kurz gehaltene Ohren, gleich einem Weinblatt, hat. Der Welsh Springer Spaniel kommt selten schmutzig nach Hause. Tatsächlich reinigt sich das Haar wie von selbst. Dieser Selbstreinigungseffekt wurde oft beschrieben, aber nie erklärt.

Die Rasse ist sehr robust. Es ist einfacher mit der Zucht und besser für die Rasse, wenn man mit Überlegung züchtet und dabei Krankheiten vermeidet. Welsh Springer Spaniels werden im Durchschnitt 14 Jahre alt.

Rassebetreuung

Mitte 1992 wurde die Arbeitsgemeinschaft "Andere Spanielrassen" im Jagdspaniel-Klub e.V. durch Züchter und Besitzer der "seltenen" (Anderen) Spanielrassen gegründet. Es wurden Hilfsmittel geschaffen, die der Werbung für diese Rassen dienen: Das "Aktuelle Informationsblatt"  mit interessanten Themen und eine Welpenliste – auch aus dem angrenzenden Ausland – mit  den geplanten, erwarteten und vorhandenen Würfen stehen Interessierten und den Züchtern bzw. Besitzern unserer Spanielrassen zur Verfügung.
Im August 1993 fand die 1. Spezialzuchtschau, nur für "Andere Spanielrassen", in Krefeld statt.
Mit 100 Meldungen war das schon eine Sensation! Der Gedanke war, sich unter anderem der ausländischen Konkurrenz zu stellen, um zu erkennen, wo wir mit unserer Zucht bzw. unseren Hunden stehen. Weitere gut besuchte Veranstaltungen folgten und werden folgen.

Die Nachfrage nach Welsh Springer Spaniels ist größer geworden. Für den "Welsh" bleibt zu hoffen, dass er jenes Original bleibt, das er seit Jahrhunderten darstellt, und niemals Modetrends unterworfen sein wird.