Warum ist ein Zuchtbuch so wichtig?

Der Hund gilt als bester Freund des Menschen. Seine Treue und Intelligenz machten ihn im Laufe der Jahrtausende zum idealen Weggefährten. Ungefähr vor 2700 Jahren begann der Mensch mit der geplanten Hundezucht. Durch gezielte Auslese wurden Tiere mit bestimmten körperlichen, aber auch charakterlichen Eigenschaften für den Einsatz als Hüte-, Wach- oder Jagdhunde herangezogen.

So konnte sich der Mensch bereits frühzeitig bestimmte Eigenschaften der von ihm gezüchteten Tiere zu Nutze machen. Heute haben sowohl die körperlichen, als auch die charakterlichen Eigenschaften der verschiedenen Hunderassen den Vorteil, dass man ganz gezielt den vierbeinigen Begleiter aussuchen kann, der am besten zur eigenen Familie passt.

Unsere Spanielrassen wurden ursprünglich alle für den Einsatz zur Jagd gezüchtet. Dieser Ursprung findet sich auch im Namen des Jagdspaniel-Klubs e.V. wieder. Heute sind Spaniels wegen ihres fröhlichen, freundlichen Wesens und vor allem ihres unermüdlichen „will to please“ nicht nur begehrte Jagdhunde, sondern auch beliebte Familien- und Begleithunde.

Der Jagdspaniel-Klub ist in Deutschland der älteste zuchtbuchführende Verein, der alle neun Spanielrassen betreut. 1907 gegründet blickt er auf eine über 110jährige Geschichte zurück, in der er bis Mitte der 80er Jahre als einziger VDH-Zuchtverein das Zuchtgeschehen zielstrebig vorangetrieben und gelenkt hat. Seiner Historie und der Verantwortung der von ihm betreuten Spanielrassen verpflichtet hat der Jagdspaniel-Klub auch heute die strengsten Zuchtvorgaben – konkret heißt dies, dass wir als Zuchtverein stets die Gesundheit der uns anvertrauten Spaniel-Rassen und damit letztendlich das Wohlergehen jedes einzelnen Hundes als fühlendes Lebewesen im Blick behalten.

Vielleicht werden Sie sich fragen, warum Rassehundezucht eigentlich wichtig ist. Vermehren kann letztendlich jeder. Qualitätszucht ist eine Herausforderung, die auf gezielter, sensibler und somit verantwortungsvoller Selektion beruht. Diese Auswahl ist strengen Qualitätsmerkmalen geschuldet, die in der Zuchtordnung des Jagdspaniel-Klubs festgelegt sowie ständig überarbeitet und an aktuelle Zuchtsituationen angepasst werden.

Schon kurz nach der Gründung des Jagdspaniel-Klubs erschien das erste Zuchtbuch. In diesem ersten Zuchtbuch wurden sowohl die Zuchthunde eingetragen, die die ersten deutschen Spaniel-Züchter zunächst hauptsächlich aus England importiert hatten, als auch die ersten aus diesen Hunden gezogenen Würfe. Seitdem erscheint - unterbrochen durch die beiden Weltkriege – jährlich eine limitierte Auflage des Zuchtbuches in gedruckter Form, in der das Zuchtgeschehen eines Kalenderjahres detailliert dokumentiert wird.

Die Würfe, also alle Welpen, die in einem Zuchtjahr geboren wurden, werden darin namentlich und mit einer Zuchtbuchnummer erfasst. Sinn und Zweck ist, die Übersicht über ein geordnetes Zuchtgeschehen zu behalten. Das Zuchtbuch schließt jeweils zum 31. Dezember eines Jahres und erscheint im Folgejahr. Die Führung des Zuchtbuches obliegt dem Zuchtbuchamt des JSpK. Seit Jahrzehnten wird das Zuchtgeschehen in einer elektronische Datenbank verwaltet, in der jeder in das Zuchtbuch des Jagdspaniel-Klubs eingetragene Spaniel mit einem eigenen Datenblatt verwaltet wird. Dort sind für jeden Hund neben seiner Abstammung (Ahnentafel), seiner Zuchtbuch- und Ident-Nummer (Chip), ggf. auch Zuchtzulassung, gesundheitliche Untersuchungsbefunde, DNA-Ergebnisse, genetischer Fingerprint sowie jagdliche Leistungen und Ausstellungserfolge und sonstige Informationen hinterlegt.

Die Eintragungsbestimmungen in das Zuchtbuch werden in der Zuchtordnung detailliert geregelt. In das Zuchtbuch werden nur Hunde eingetragen, deren Abstammung über mindestens drei Ahnengenerationen, die mindestens anhand von Namen und Zuchtbuchnummern dokumentiert sind, lückenlos in von der F.C.I anerkannten Zuchtbüchern nachgewiesen werden können und die Zucht- und Wurfkontrollen dieser Hunde von der F.C.I anerkannten Vereinen durchgeführt wurden.

Im Zuchtbuch aufgeführt werden getrennt nach Rassen und Abteilungen alle Würfe, nach Geschlecht getrennt, unter Angabe der Zahl der geborenen und in das Zuchtbuch eingetragenen Welpen, der Eltern und Großeltern, des Inzuchtkoeffizienten und auffälliger Beobachtungen bei der Wurfabnahme durch den Zuchtwart.

Unterteilt ist das Zuchtbuch in verschiedene Abteilungen. In Abteilung I werden jagdlich gezogene Würfe eingetragen, in Abteilung II alle anderen, regulär gezogenen Würfe sowie importierte Spaniels. In das Register (das sogenannte Livre D'Attend) werden Hunde eingetragen, die keine lückenlose Abstammung aufweisen können, die mindestens drei Generationen zurückreicht.

Das Zuchtbuch ist somit nicht nur Dokumentation des Zuchtgeschehens, sondern auch ein wertvolles Nachschlagewerk. Darin veröffentlicht werden auch Untersuchungsergebnisse der Zuchthunde wie HD- und ED-Befunde, DNA-Ergebnisse. Außerdem erscheinen darin auch   Zuchttauglichkeitsbescheinigungen, Anlagenlagenbewertungs- und Gebrauchshundeliste, Siegerliste, ein Züchterverzeichnis, die im Berichtsjahr neu geschützten Zwingernamen sowie eine Deckrüdenliste. Das Zuchtbuch ist ein Auszug der im jeweiligen Zuchtjahr in die Datenbank eingepflegten Daten und macht das gesamte Zuchtgeschehen so für Züchter und interessierte Spanielfreunde transparent.

Das aktuelle Zuchtbuch sowie verfügbare Ausgaben früherer Jahrgänge können beim Zuchtbuchamt gegen Gebühr bestellt werden.