Der English Springer Spaniel

Von Christa Bieler

Der English Springer Spaniel ist die größte Landspanielrasse. Mit einer Schulterhöhe von ca 51 cm und einem Gewicht zwischen 20 und 25 kg. Es gibt ihn nur den den Farben braun-weiß und schwarz –weiß, beides kann mit Lohabzeichen sein.

Sein Name leitet sich von seiner ursprünglichen Arbeit ab „Springing Game“, was soviel bedeutet wie „Wild aufstöbern“. Er zählt zu den ältesten Jagdhunderassen aus England. Er wurde dort für die Jagd mit Netzen oder als Vogelhund mit Falke oder Habicht verwendet.

Der English Springer Spaniel findet in den letzten Jahren immer mehr Liebhaber. Er ist ein liebevoller, freundlicher Familien- und Begleithund, für den es nichts Schöneres gibt, als mit seiner Familie etwas zu unternehmen. Seine hervorragende Nase, seine Apportier- und Wasserfreude machen ihn zu einem begeisternden Jagdhelfer.

Nichtjäger sollten ihn mit Mantrailing, Fährtensuche, Apportier- und Dummyarbeit beschäftigen. In der Ausbildung braucht er eine zielstrebige Konsequenz. Härte und Druck verträgt er allerdings nicht und kann dies auch mal mit einer Blockadehaltung quittieren. Obwohl er eine gewisse Jagdleidenschaft hat, lässt sich ein Freilauf bei frühzeitiger Erziehung gut realisieren, da er als „Buschierer“ eine gute Bindung zu seinem Führer aufbaut und er normalerweise einen relativ geringen Radius einhält. Der English Springer ist unter den Hunderassen ein Spätentwickler und erst mit ca. drei bis vier Jahren fertig.

Dies sollte man bei seiner Ausbildung unbedingt beachten. Er ist temperamentvoll und intelligent und hat ein freundliches Wesen. Er braucht seinen täglichen Auslauf und eine Beschäftigung, da er sich sonst schnell eine eigene Aufgabe sucht, sei es Zerkauen oder Herumtragen von Gegenständen oder ähnliche unerwünschte Marotten.

Der Springer Spaniel will mit „seinem“ Menschen arbeiten und es ihm recht machen.

Wer dies alles bedenkt, bekommt einen loyalen Gefährten fürs Leben.

Spring-ins-Feld mit Charme und Herz

Von Bianka Titus-Langer (Der original Artikel erschien im Schweizer Hundemagazin 4/13)

Er ist ein «Spring-ins-Feld» mit Charme und Herz, ein muskulöses, lebhaftes Energiebündel – unbekümmert, temperamentvoll, freundlich und vielseitig. Der English Springer Spaniel ist der ideale Partner für aktive Menschen. Trotz seiner Agilität und Fröhlichkeit strahlt der Springer Eleganz, Adel und Würde aus, die ihresgleichen suchen.

Schon im FCI-Standard wird der English Springer Spaniel als «Rasse alten und reinen Ursprungs» beschrieben. Seine Wurzeln reichen zurück bis ins 8. Jahrhundert. Angeblich sollen bereits die Römer spanielähnliche Hunde nach Britannien mitgebracht haben. Wie der Standard betont, gehört der Springer Spaniel zu den ältesten Jagdhundrassen.

Ursprünglich wurden diese passionierten Hunde eingesetzt, um das Wild zu finden, aufzujagen und schließlich in die Netze der Jäger oder die Fänge der Falken zu treiben. Auch bei der Jagd mit Greyhounds kamen die Springer Spaniels vielfach zum Einsatz. Ihre Aufgabe war es, das Wild aus der Deckung ins offene, ungeschützte Gelände direkt in die Fänge der schnellen Windhunde zu treiben.

Der Name «Springing-Spaniel» oder «Springer» erscheint zum allerersten Mal um 1520 in den Schriften eines Dr. Gaius. Mit dieser Bezeichnung wollte der Autor aber wohl eher die Jagdmethode als solche, als eine bestimmte Hunderasse beschreiben. Bei den Springern, die der mittelalterliche Autor erwähnt, handelte es sich um Jagdhunde, die mit kraftvollen Sprüngen das Wild aus dem Dickicht aufschreckten und damit zur leichten Beute werden ließen. Heute wird der Springer Spaniel im jagdlichen Einsatz dazu verwendet, das Wild aufzustöbern, hochzumachen und nach dem Schuss zu apportieren. Da ihn Wasser nahezu magisch anzieht, ist er auch für die Wasserarbeit bestens geeignet. Im Revier ist er ein vielseitiger Helfer und Jäger loben einhellig seine herausragenden Qualitäten.

Er will seinem Menschen gefallen

Sprichwörtlich ist der Springer immer auf dem Sprung. Er ist nahezu unschlagbar, wenn es um seinen wendigen, schnellen und lebendigen, aber dennoch überlegten Arbeitsstil geht. Die ihm gestellten Aufgaben erledigt er hochkonzentriert, folgsam und bedächtig. Mit seinen circa 51 Zentimetern Schultermaß ist er der größte britische Landspaniel. Er steht auf längeren Beinen als seine Verwandten, die kleineren Cocker, und bringt schon deshalb eine geballte Ladung Kraft mit. Liebhaber schwärmen von seiner exzellenten Spürnase, seiner gebündelten Energie, seiner raschen Auffassungsgabe und nicht zuletzt seinem «Will to please» ‒ sprich dem unbedingten Willen, seinem Menschen zu gefallen. Lernfreude, Leichtführigkeit und hohe Sozialverträglichkeit runden die durchweg positiven Charaktereigenschaften des smarten Springers ab.

All dies macht ihn nicht nur für den Jäger, sondern auch für aktive, sportliche Hundehalter zum idealen Begleiter. Seine Vielseitigkeit ist einer seiner großen Pluspunkte, weshalb sich auch dem Nichtjäger unendlich viele Möglichkeiten bieten, einen Springer Spaniel sinnvoll zu beschäftigen. Bei Agility und Fährtensuche wird er sicherlich gut ausgelastet. Ebenso beim Mantrailing wird ein Springer Spaniel jede Menge Spaß haben. Aber auch als Drogenspür- oder Katastrophenschutzhund kommen Springer Spaniel vielfach zum Einsatz. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich Anfang der 90er Jahre mit der Fähre nach England übersetzte und der Zollbeamte am Hafen in Dover einen Springer Spaniel in eines der Autos schickte. Es war faszinierend, dem Hund bei der Arbeit zuzusehen – auch wenn er letztendlich nicht das fand, was der Zollbeamte vermutet hatte. Beeindruckt hatte der Springer seine Zuschauer allemal.

Gemeinsame Wurzeln

Die verschiedenen Spanielvarietäten haben – ausgenommen dem Clumber Spaniel – gemeinsame Wurzeln. In den frühen Jahren der Zucht war es durchaus möglich, dass in ein und demselben Wurf Springer- und Cockerspaniel-Welpen fielen. Letztendlich wurden die Welpen nach Größe und Gewicht selektiert und den jeweiligen Rassen zugeordnet. In England war es im 19. Jahrhundert Usus, die Rassen untereinander zu verpaaren. Obo, der berühmte Urahn aller Cocker, hatte zum Beispiel eine Field Spaniel-Hündin als Mutter. Als eigenständige Rasse offiziell anerkannt wurde der Springer Spaniel erst im Jahr 1902.

Dass es allerdings einmal einfarbige Springer gegeben haben muss, mag so manchen in Erstaunen versetzen. Tatsächlich sollen die Vorfahren des heutigen Springers rotbraune Hunde gewesen sein. Im ersten Zuchtbuch des Deutschen Jagdspaniel-Klubs e.V. aus dem Jahr 1908 wurden fünf einfarbig schwarze und zwei einfarbig braune Springer registriert. Für den damaligen Zuchtbuchführer Otto Jahns war dies wahrscheinlich keine Besonderheit, denn so mancher Springer stammte, so Original-Ton Jahns, von «waschechten Cocker Spanieln» ab. Dass einfarbige Springer von der Bildfläche verschwanden, war letztendlich das Ergebnis züchterischer Selektion. Für den Jagdeinsatz waren die mehrfarbigen, im Feld besser sichtbaren Hunde einfach besser geeignet als die Einfarbigen.

Pflegeleichtes Haarkleid

Heute gibt es den Springer Spaniel in schwarz-weiß oder braun-weiß. Beide Farbschläge können auch attraktive lohfarbene Abzeichen tragen. Das Haarkleid des Springers soll laut Standard «dicht, glatt und wetterfest, niemals grob» sein und eine «mäßige Befederung an Behang, Vorderläufen, Gebäude und Hinterhand» aufweisen. Verglichen mit dem Cocker Spaniel hat der Springer relativ wenig Haar und ist so recht pflegeleicht. Trotzdem sollte der Springer täglich gebürstet werden, um den seidigen Glanz des Haares noch besser zur Geltung zu bringen. Generell sind Hunde mit Hängeohren anfällig für Entzündungen der Gehörgänge. Deshalb versteht es sich von selbst, Ohrmuscheln und Gehörgänge regelmäßig zu kontrollieren und zu säubern.

Ein aufwändiges Trimmen des Springer-Haars ist nicht nötig. Lediglich das Ausschneiden des Haares um die Ohrmuscheln und an den Pfoten ist angebracht. Totes, stumpfes Haar sollte per Hand ausgezupft werden. Es kann allerdings auch mit einem engzahnigen Kamm ausgekämmt werden. Am besten fragt man in diesen Punkten seinen Züchter um Rat, bevor man selbst die Schere in die Hand nimmt und so möglicherweise das Haar verdirbt.

Wesen und Charakter

Auffallend sind die wunderschönen, mandelförmigen Augen des Springers. Möglichst dunkelbraun sollen sie sein, um den sanften, freundlichen Ausdruck zu betonen. Überhaupt drücken die Augen das liebevolle Wesen des Springers aus. Die Charaktermischung aus Sanftheit und Fröhlichkeit machen den Springer zum idealen Familienhund. Wie alle Spaniels ist er sehr menschenbezogen und anhänglich. Ein Springer sucht immer den Anschluss und die Nähe zu seinem «Rudel». Gerne nimmt er ein Plätzchen auf dem Sofa inmitten seiner Menschen ein und genießt die Streicheleinheiten.

Grundsätzlich ist der Springer ein sehr sensibler Hund. Mit Härte sollte man ihn nicht erziehen. Eine laute, unsanfte Erziehung ist beim Springer Spaniel völlig unangebracht. Vielmehr ist er ein Hund, der begeistert mitarbeitet, wenn er mit Konsequenz und Liebe erzogen wird.

Für die Zwingerhaltung ist er deshalb ganz und gar ungeeignet. Im Zwinger würde diese wunderbare Hunderasse verkümmern. Zum Problemhund kann ein Springer auch dann werden, wenn er unterfordert ist. Langweilt er sich, sucht er sich möglicherweise unliebsame Beschäftigungen. Deshalb benötigt er nicht nur genügend Auslauf, sondern unbedingt auch Beschäftigung und Kopfarbeit. Er braucht also aktive Menschen, die mit ihm auch bei Wind und Wetter unterwegs sind.

Springer Spaniel sind Hunde, die sich meist eine ganz bestimmte Bezugsperson in der Familie aussuchen. Seinen Menschen wird er geradezu vergöttern. Springerliebhaber erzählen oft von dem unsichtbaren Band, das zwischen ihnen und ihren Hunden besteht. «Es kommt oft genug vor, dass mein Hund schon das macht, bevor ich einen Gedanken überhaupt zu Ende gedacht habe», erzählte mir einmal eine Bekannte über ihre Springer Spaniel-Hündin. Tatsächlich sind Springer sehr feinfühlige Hunde, die die Stimmung spüren, die gerade in der Luft liegt.

Ein vornehmer Aristokrat

Fremden gegenüber sind die edlen Jagdhunde eher distanziert und vorsichtig. Meistens sind die Hunde sehr auf ihren Menschen fixiert und ignorieren es mit aristokratisch-vornehmer Zurückhaltung, wenn sie angesprochen werden. Ich habe diesen stolzen, würdevollen Springerblick schon gesehen. Trotz seiner Liebenswürdigkeit ist der Springer Spaniel also nicht «Everybody’s Darling». Im Mutterland England und auch den USA ist der Springer eine weitverbreitete, beliebte Rasse. In Großbritannien erlebte der Springer Spaniel nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges einen enormen Aufschwung, der bis in die 70er Jahre andauerte. Im deutschsprachigen Raum wurden die ersten Springer zwar bereits vor circa hundert Jahren importiert und gezüchtet. Doch sie schafften es nie, derart Fuß zu fassen wie in ihrem Mutterland. Erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten fanden die großen Spaniels immer mehr Liebhaber.

Mussten sich die Springer Spaniel in früheren Jahren auf den Ausstellungen ihren damals attraktiveren kleineren Verwandten, den Cocker Spaniels, meistens geschlagen geben, stehen sie heute immer öfter an der Spitze und damit im Rampenlicht. Beeindruckend ist vor allem das typische Gangwerk des Springers, das mit seiner weit ausgreifenden Vorderhand ein bisschen an einen trabenden Vollblüter erinnert. Der Standard schreibt dazu: «Die Bewegung ist von völlig eigener Art. Die Vorderläufe schwingen gerade aus der Schulter heraus, wobei die Pfoten in einer freien, leichten Art gut nach vorne geworfen werden. Die Hinterläufe treten gut unter das Gebäude, der Vorhand in einer Linie folgend.» Leichtfüßig und zugleich kraftvoll, geschmeidig und schwungvoll, so wird der Springer in der Aktion beschrieben – eben ein echter Eyecatcher.

Dabei soll die Rute wie bei allen Spaniels in ständiger Bewegung sein und die Unbekümmertheit, das Interesse und sein nimmermüdes Engagement zum Ausdruck bringen. Dies zeigt er vor allem in freier Natur, wenn er ausgelassen über die Wiesen und Felder tobt. Langweilig wird es mit einem Springer Spaniel jedenfalls nicht. Er wird seine Menschen fordern, mit seiner Fröhlichkeit anstecken und mit ihnen durch dick und dünn gehen.