Lesesplitter aus den frühen Jahren

Zusammengestellt von Bianka Titus-Langer

Mit einem Blick ins Archiv - vor allem die frühen Jahre – haben wir für Sie einige Lesesplitter aufgegriffen. 1914 war der Jagdspaniel-Klub dem Kartell der stammbuchführenden Spezialklubs angeschlossen und veröffentlichte seine Klubnachrichten in der Zeitschrift „Der Deutsche Jäger“; diese erschien monatlich. Die Auszüge aus den sogenannten „Monatsheften des Jagdspaniel-Klub“ vermitteln einen Eindruck der damaligen Situation der Spanielzucht, aber auch mit welchen Problemen sich die Gründer unseres Klubs zu beschäftigen hatten.

Richterbericht München 1914

„Es war mir eine wirkliche Freude auf der Spezialausstellung des Jagdspanielklubs in München das wunderbare Material bewundern zu können, das dort zusammengebracht worden war. Um eine Kollektion schwarzer Cocker zu sehen, wie hier ausgestellt war, muss man nach England reisen. Auch die Kollektion Springerspaniels war eine Augenweide. Diese Rasse wird ganz vom österreichischen Meisterzüchter Max Burbaum beherrscht. Von den zehn gemeldeten Hunden war kein einziger da, welcher nicht entweder von ihm gezüchtet war, oder das Hartensteinblut im Stammbaum führte.

Für die Zucht ist es höchst erfreulich, dass nicht nur einzelne Sterne, verschiedenen Besitzern gehörend, ausgestellt waren, sondern im Gegenteil verschiedene Züchter mit mehreren Hunden vertreten waren. Im Jagdspanielklub wird nicht nur ausgestellt, sondern auch gezüchtet. Vor allem zeichnete sich die fast einheitliche Kollektion des Herrn von Muralt aus, wunderbare Hunde, vollendet in Typus und alle ausgezeichnet in den Vorderläufen, der schwache Punkt der meisten Cocker-Spaniels. In dieser Beziehung hat auch Baron von Perfall ganz hervorragendes geleistet. Alle von ihm ausgestellten Hunde zeichneten sich aus durch gute Vorderläufe. Wird man es endlich so weit bringen können, diesen Hauptfehler der Cockerzucht zu überwinden? Von den Apelköpfen und Glotzaugen sind wir jetzt wohl endgültig befreit. (…) Eine Gefahr scheint jetzt der Cockerzucht zu drohen. Es gab einige Cockers, welche nicht den eigentümlichen quecksilberartigen Spanielgang zeigten. Es ist wahr, dass einige Hunde, welche diesen Fehler hatten, zu fett waren, aber doch besteht die Möglichkeit, dass die Importation von Sapniels, welche seit mehreren Generationen nicht jagdlich benützt wurden, schuld daran ist. (…)“
Dr. P.H.L. Lamberts-Hurrelbrinck
(Aus Monatshefte des Jagdspanielklubs, Band IV, Heft 6, Juni 1914)


Richterbericht über die Spezialausstellung des Jagdspaniel-Klubs am 7. Juni 1914 in Cöln

„(…) Nur einen Punkt muss ich noch erwähnen, dass leider viele Cocker in Cöln zu fett herausgebracht waren, sie zeigten den befriedigten, gedeihlichen Ausdruck, wie er manchen von uns in mittleren Jahren blüht. Nur darf man solchen Hunden, deren Fett die schönen Cockerlinien verdeckt und Bewegung zur peinlichen Notwendigkeit gemacht hat, niemals Preise erteilen.
In der Offenen Klasse Rüden konnte über den Gewinner kein Zweifel bestehen. „Good Luck Algy“ (nicht eintragbar) scheint auf dem Continent bereits unter vielen Richtern gesiegt zu haben. Ich muss ihnen rechtgeben, da er nicht weit entfernt ist vom vollendeten Ring- und Arbeitscocker. Ich höre, dass er Springerblut führt. Doch wenn dies so ist, dann zeigt er es nicht. Aber die Kreuzung mit Springer ist ein sehr gefährliches Experiment, das ich durchaus nicht liebe, gibt es doch eine Menge von nützlichem Cockerblut zur Auswahl für den Züchter. Solche Kreuzung verlangt einen ungemein gewissenhaften, geschickten und in allen Spanielarten genau bewanderten Mann. Jeder andere soll streng die Hände davon lassen, denn solche Kreuzung bedingt eine große Gefahr für den echten Cockertypus. Sie ist, wie schon gesagt, zwecklos und unnötig."
J.W. Robinson, England (übersetzt von Dr. v.Muralt)
(Aus Monatshefte des Jagdspanielklubs, Band IV, Heft 7, Juli 1914)


Zwingernachrichten

„Im Zwinger „Rotzel“ (Bes.: A. Brugger) warf die Cockerhündin „Alerte Hardberg“ 78 F nach „Rocklin Regie“ 434F am 28. Juni 1914 5,1 Blauschimmel. Dies ist das zweite Mal, dass Alerte nach Regie warf. Schon die erste Verbindung brachte sehr gute Produkte, so Don Peter Rotzel, der in Mannheim 1914 den 1.Preis in der Nachzuchtklasse erhielt.
Der in Ausstellungsberichten aus dem Norden mehrmals rühmlich erwähnte Cockerrüde „Rocklyn Surprise“ 339F ging aus dem Besitz von K. Böttcher, Hannover, an D. Rastinger in Gmunden (Oberösterreich) über.
Wie schon vor 14 Tagen berichtet, ist „Rocklyn Arab“ (Zwinger Kassegg …) tödlich verunglückt. Der Zwinger hat einige Zuchthündinnen an Mitglieder abgegeben.
Aus dem gleich Zwinger erwarb der Zwinger „von Greifenberg“ (…) die drei schwarzen Rüden „Bill“ 266G, „Blitz“ 267G und „Boy von Kassegg“ 268G. „Garrochty Mamie“ 19G warf nach „Mylord Zürich“ am 22.Juli 2,2 sehr schöne Welpen, davon 3 Dunkelschimmel und 1 Weiß mit braunen Platten.
In nächster Nummer werden wir wohl von einigen wertvollen Neuerwerbungen berichten können.“
(Aus Monatshefte des Jagdspanielklubs, Band IV, Heft 8, August 1914)

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Zum Erscheinen unseres Zuchtbuches Band G 1913

„(…) So findet man als sehr zu begrüßenden Fortschritt, dass fast ausnahmslos die Besitzer von in der letzten Zeit importierten Hunden die Eintragung des vollen Stammbaumes in Band G vornehmen ließen. Als Beispiel ging in Band F Belwell Barry 123F voran, dem jetzt (…) gleich 12 Importationen folgten. (…)
Dagegen wundert man sich, einen knapp fünf Monate alten Junghund (um nicht zu sagen Welpen) als Deckrüde aufgeführt zu sehen. Immerhin kann es einmal vorkommen, dass so ein unreifer Naseweis ohne Willen und Einverständnis des Zwingerbesitzers seine Fortpflanzungsfähigkeit (…) versucht und beweist.
(…) Ebenso schlicht und einfach wie der Spaniel selbst, soll auch dessen Rufname sein. Jagdhunden besonders sollen nur einfache Namen gegeben werden.“
Zuchtbuchführer Ernst Frieß
(Aus Monatshefte des Jagdspaniel-Klubs, Band IV, Heft 5, Mai 1914)


Aus dem Protokoll der Generalversammlung im Hotel „Deutscher Kaiser“ zu München am 2. Mai 1914

  1. Zuchtbuchangelegenheiten
    Nach Referat des Herrn Zuchtbuchführers Frieß werden folgende Beschlüsse gefasst: 1. Einstimmig genehmigt werden die neuen Zuchtbuchbestimmungen
    1 a) Abkömmlinge von Kreuzungsprodukten (auch von eingetragenen) erst auf Grund lückenlosen Nachweises von fünf reingezüchteten Generationen im SpZB Aufnahme finden dürfen.
    (…)
    5. Aus dem Ausland importierte Hunde werden ins SpZB nur eingetragen, wenn deren reine Abstammung auf mindestens vier Generationen durch vom maßgebenden Stammbuchführer attestierte Stammbäume lückenlos nachgewiesen wird.“
    (Aus Monatshefte des Jagdspaniel-Klubs, Band IV, Heft 6, Juni 1914)

Zwingernachrichten

„Der Cölner Springersieger 1914 „Harald vom Rheingold“ ist wieder in den Besitz seines Züchters (…) übergegangen. Nur in der vollen Zuversicht, dass er inzwischen zur Eintragung angemeldet, (sein Bruder Harras vom Rheingold 87H war es schon vor Cöln) nehmen wir davon Notiz. Sonst existieren nicht eingetragene Hunde einfach nicht für uns.
(Aus Monatshefte des Jagdspaniel-Klubs, Band IV, Heft 7, Juli 1914)


Zuchtbuch

„Das Zuchtbuch 1930, Band X, wird in Bälde erscheinen. In den letzten Jahren war vonseiten der Mitglieder die Abnahme der Zuchtbücher eine derart beschämend geringe, dass ein Hinweis auf die tatsächliche Unentbehrlichkeit dieser fundamentalen Zuchtunterlagen wieder einmal dringend am Platze ist. Es ist einerseits kein übertriebenes Verlangen, dass jedes Mitglied im Besitze der Zuchtbücher sein soll, andererseits jedoch unbegreiflich, dass es immer noch sogenannte Züchter gibt, die ihre Welpenfabrikation ohne Zuchtbuch betreiben. Ein Züchter ohne Zuchtbuch ist kein Züchter. Es muss deshalb mit der total irrigen Anschauung, man könne auch ohne Zuchtbuch auskommen, endlich einmal gebrochen werden, und es wird erwartet, dass von beiliegender Bestellkarte recht bald und recht ausgiebig Gebrauch gemacht werde.“
A.Lang
(Aus Nachrichten des Vorstandes und der Landesgruppen des Jagdspaniel-Klub e.V., 8. Jahrgang, Nr.5/6, Mai/Juni 1930


Die Cocker-Spaniels auf der Internationalen Hundeausstellung 1933 in Zürich

„In der Gebrauchshundeklasse erscheint mit vorzüglich, 1. Preis, der bald siebenjährige Blackwell Crusader. Trotzdem sich dieser Rüde im Alter hervorragend gehalten hat und laut Katalog mehr als 200 erste Preise erhielt meist in England, möchte ich ihm in Zukunft gönnen, dass er sich wenigstens in die Klasse „Außer Konkurrenz“ zurückziehen dürfte, sonst könnte es ihm gelegentlich blühen, dass er ohne eigenes Verschulden sich noch zurückgesetzt fühlen müsste.“
Br. Rentsch
(Aus „Der Jagdspaniel“, 11. Jahrgang, Heft 3, Juli/Sept. 1933)