Zukunft der jagdlichen Zucht

2017 Quo vadis jagdliche Zucht?

Von Maria Hohenhaus DH 2-17

Es war nie wirklich einfach, einen ordentlichen jagdlichen Deckrüden zu finden, denn auch in den Jahren, in denen sich der Spaniel großer Beliebtheit erfreute, war er als Jagdhund verglichen mit anderen eher selten.

Mittlerweile hat sich aber unsere jagdliche Zuchtbasis allmählich immer weiter verkleinert, so dass es Züchtern, die bereits mehrere Hunde in die Zucht gebracht haben, nicht mehr möglich ist, in Deutschland einen passenden jagdlichen Deckrüden zu finden, ohne dass dieser eine gefährliche verwandtschaftliche Enge zur eigenen Hündin aufweist.

Suchen Sie doch einmal unsere jagdliche Deckrüden-Liste auf. Man kann dort die Ahnentafeln der Rüden anklicken und wird sehr schnell feststellen, dass alle sehr eng miteinander verflochtene Zuchtlinien aufweisen. Wenn man nun wie die meisten jagdlichen Züchter eine Hündin besitzt, die ebenfalls eine derartige Abstammung hat, wird schnell klar, was ich meine:

Unsere jagdliche Zucht - insbesondere des Cocker Spaniels - steht mit dem Rücken zur Wand!

Es ist allerhöchste Zeit, über Abhilfe nachzudenken. Die aber können die jagdlichen Züchter nur selbst schaffen, indem sie neue Wege einschlagen.

Einer könnte sein, einen andersfarbigen jagdlichen Rüden als die eigene Hündin zu wählen. Ein entsprechender Antrag bei der Zuchtkommission würde dies ermöglichen. Denn wir können es uns nicht leisten, Rücksicht auf Farben zu nehmen, wenn wir leistungsstarke Hunde züchten wollen. Die anderen Wege sind, was die jagdliche Eignung der Welpen angeht, teilweise wesentlich risikoreicher. Man könnte es beispielsweise mit nicht-jagdlichen Deckrüden versuchen. Aber: Der Jagdhund Spaniel ist in Deutschland ein Stöberhund. Dessen Aufgabe ist es, in unübersichtlichem Gelände Wild zu suchen und dies dem Jäger durch seinen Laut anzuzeigen. Mit dem Laut ist in diesem Fall der Spurlaut gemeint, denn in einem Gelände, in dem der Hund nur wenig sieht, kann nur dieser Laut sinnvoll sein.

Somit scheitert die Verwendung der allermeisten Rüden aus nicht-jagdlicher Zucht leider daran, dass diese eine Anlage zum Spurlaut gar nicht vererben können, weil ihnen diese Anlage im Lauf der Generationen verloren gegangen ist. Zwar definiert sich ein Jagdhund bei weitem nicht nur über den Spurlaut, aber für einen Stöberhund fällt ohne diesen doch ein ausgesprochen wichtiger Einsatzbereich weg. Vielleicht könnten die Besitzer der nicht-jagdlichen Deckrüden aber doch weiterhelfen: Wenn bekannt wäre, ob ein Rüde mit nicht-jagdlicher Abstammung eventuell doch beim Jagen laut wird, wäre der eine oder andere jagdliche Züchter möglicherweise an ihm interessiert.

Bleiben noch ausländische jagdliche Rüden. Auch hier stehen wir vor großen Problemen: Die einen Länder haben wie die Schweiz für eine Prüfung wie wir sie durchführen nicht genügend Hasen und müssen auf Rehwild ausweichen. Dies ist sicher nicht die schlechteste Lösung, denn ein Hund, der auf einer Rehfährte laut wird, ist selbstverständlich zum Stöbern sehr gut geeignet und so ein Deckrüde wird sicher auch gut veranlagte Welpen bringen. Leider lassen sich aber diese Spaniels aus der Schweiz an den Fingern einer Hand abzählen.

Es gibt aber auch noch eine relativ große Anzahl an jagdlichen Spaniels in den Ländern wie Frankreich, Spanien, England oder Italien. Diese Spaniels werden aber komplett anders eingesetzt als bei uns. Wir prüfen unsere Hunde nach dem Reglement B, wo großer Wert auf das Stöbern und die laute Arbeit auf der frischen Fährte gelegt wird. Die Spaniels in den vorbenannten Ländern aber werden nach dem Reglement A geprüft. Diese Prüfungen bestehen aus großen Field Trials, wo die Hunde ganz kurz unter der Flinte zu suchen haben und auf Befehl sofort verharren müssen, damit das Wild [zumeist Fasanen oder Kaninchen] vor ihnen geschossen werden kann. Die Hunde sind hervorragend abgerichtet und müssen einen hohen Gehorsam haben. Wer das Wild hetzt oder gar Laut gibt, kann die Prüfung nicht bestehen.

Stöberjagden mit Spaniels wie bei uns in Deutschland gibt es in diesen Ländern nicht, denn die Vegetation ist da ganz anders und dort, wo es große Waldflächen gibt, werden andere Hunderassen, beispielsweise Bracken oder Laufhunde eingesetzt.

Hinzu kommt, dass beispielsweise in England streng nach Arbeits- und Showlinien getrennt wird. Diese sogenannten Working Spaniels haben sich mittlerweile zu eigenen Linien entwickelt, deren äußeres Erscheinungsbild im Allgemeinen nicht mehr dem Standard entspricht.

So wird schnell klar, dass es äußerst schwierig ist, unter all diesen Umständen selbst im Ausland einen Deckrüden zu finden, der die Anlagen für unsere jagdliche Zucht mit sich bringt. Es ist ziemlich mühsam, bei ausländischen Züchtern oder Ausbildern nachzufragen, ob der eine oder andere Deckrüde möglicherweise jagdliche Eigenschaften, wie sie bei uns gefragt sind, aufweist - insbesondere was den Laut angeht.

Die Nachfrage nach jagdlich gezogenen Spaniels zeigt aber, dass jegliche Bemühung es wert ist, die dazu beiträgt, unsere jagdliche Zuchtbasis wieder zu erweitern. Selbst auf die Gefahr hin, dass mancher Versuch nicht ganz den erwünschten Erfolg bringt, dürfen wir keinen der aufgezählten Wege von vorneherein ablehnen.

Der Spurlaut ist zweifelsohne eine äußerst wertvolle Eigenschaft unserer Spaniels, für einen vollwertigen Stöberhund ist er sogar unerlässlich. Aber wir dürfen den Spurlaut nicht über alles stellen, sonst werden wir jagdlichen Züchter in einer Sackgasse enden. Es ist ganz bestimmt absolut erstrebenswert, wenn alle Welpen eines Wurfes sehr gute Prüfungen mit sehr guten Spurnoten ablegen und jeder Züchter ist stolz, einen solchen Wurf gezogen zu haben.

Aber selbst, wenn es ein Spaniel nicht schafft, seinen Spurlaut auf einer Prüfung unter Beweis zu stellen, ist er doch keinesfalls vollkommen unbrauchbar als Jagdhund. Man kann mit diesem Hund nachsuchen, er kann auf der Entenjagd eingesetzt werden und viele, die den Spurlaut am Hasen nicht zeigen, sind im Wald hinter Rehen sehr wohl laut. Das aber ist ja das eigentliche Einsatzgebiet unserer Spaniels, so dass ein solcher Hund für Stöberjagden selbstverständlich ebenfalls geeignet ist. Womöglich hat er einfach nur Pech gehabt, denn eine Prüfung ist nun einmal eine Momentaufnahme und bei ihm hat es eben einfach nicht für einen Spurlaut am Hasen im Feld, sondern „nur“ für einen Fährtenlaut am Reh im Wald ausgereicht.

So ist ein Wurf, bei dem 80 Prozent der Welpen einwandfrei spurlaut ist, als durchaus erfolgreich zu bezeichnen. Denn unsere Prüfungsordnung bietet den Führern von Spaniels, die keinen Spurlaut oder vielleicht nur Fährtenlaut zeigen, die Möglichkeit, sie über eine HP in die ABL oder über eine Verbandsschweißprüfung bzw. eine VPS in unsere GHL zu bringen. Mit einem spurlauten Partner ist auch mit einem solchen Hund die jagdliche Zucht möglich und sinnvoll.

Was ich mit all diesen Ausführungen sagen will?

Ich möchte die jagdlichen Züchter dazu aufrufen, sich auch einmal zu trauen, über ihren grünen Tellerrand zu schauen. Den jagdlichen Zuchtlinien zuliebe sollten wir alle bemüht sein, neue Wege einzuschlagen. Dazu sollte auch eine Fahrt ein paar Kilometer weiter nicht zu viel sein.

Bei allem Bestreben, möglichst leistungsstarke Jagdhunde zu züchten, sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass jeder Zuchteinsatz eines in der jagdlichen Zucht neuen Rüden diese Zucht voraussichtlich weiter voranbringt als immer nur der Einsatz derselben Deckrüden, seien sie auch noch so bewährt.

Denn der Spaniel als Jagdhund hat es wahrhaftig verdient, im Jagdeinsatz weiterhin seine hervorragenden Eigenschaften beweisen zu dürfen. Es wäre jammerschade, und eigentlich unvorstellbar, wenn Spaniels nur noch in Geschichtsbüchern als verlorene Jagdhunderasse Erwähnung fänden.

2020 Die jagdliche Zucht - neue Wege

Von Maria Hohenhaus

Quo vadis jagdliche Zucht? - So lautete der Titel eines Artikels, mit dem ich im DJ 2-2017 (Artikel siehe oben) auf die mehr als verzweifelte Situation der jagdlichen Zucht hingewiesen habe.

Drei Jahre später müssen wir uns fragen: Haben wir seither eine Veränderung herbeiführen können?

Vorsichtige optimistische Einschätzung

Leider hat sich der Genpool der deutschen jagdlichen Deckrüden nur sehr wenig geändert, was aber auch nach einer so kurzen Zeit kaum zu erwarten war. Einige Züchter sind mittlerweile den Weg gegangen, ausländische Rüden, hauptsächlich aus Frankreich und Tschechien einzusetzen. Der Erfolg, den diese Junghunde bislang verzeichnen konnten, ist vorsichtig optimistisch einzuschätzen.

Nicht jeder konnte die hochgesteckten Ziele erfüllen, bei einigen war der Laut zu schwach ausgeprägt, bei anderen die jagdliche Passion. Aber der Großteil berechtigt durchaus zu Hoffnungen.

Noch sind es viel zu wenige Rüden, die wir bislang erfolgreich einsetzen konnten und wir müssen mit aller Kraft daran arbeiten, dass es mehr werden. Vor allen Dingen würde ich mir wünschen, dass auch jüngere Züchter den Mut fassen, diese neuen Wege fortzusetzen.

Auch das Beharren nur innerhalb der Einfarbigen bzw. Mehrfarbigen zu züchten, sollten wir nicht weiterverfolgen. Dies schränkt uns nur noch zusätzlich ein. Selbst, wenn in einem Wurf sogenannte „Fehlfarben“ auftreten sollten, halte ich dies nicht für schlimm, die meisten Welpen Interessenten sind gerade von diesen Hunden besonders angetan. Außerdem hörte man schon früher von erfahrenen Hundeleuten: „Nicht die Farbe, sondern der Hund jagt!“

Nur wenn wir diese zaghaft begonnenen Wege konsequent weitergehen und möglicherweise auch aus den im Artikel vorgeschlagenen Möglichkeiten noch weitere aufgreifen, kann es uns gelingen, die jagdliche Zucht wieder zu stärken.

Die Nachfrage nach jagdlichen Spaniels ist groß und wir sollten alles daransetzen, diese Nachfrage auch zu befriedigen. Denn wer schon Spaniels bei der Jagd erlebt hat, wird mir Recht geben, dass es sich in jedem Fall lohnt, diese alte Jagdhunderasse zu erhalten.