Der American Water Spaniel

Von Yvonne Wild

„Hat der Cocker Spaniel aber langes Fell!“ oder „Ist das ein Deutscher Wachtelhund?“ sind oft Kommentare von Passanten, wenn sie den American Water Spaniel das erste Mal sehen. Das scheint einfach dem Umstand geschuldet zu sein, dass es von dieser großartigen Rasse nur wenige Vertreter in Deutschland und in Europa gibt. Der Großteil der rund 3000 offiziell registrierten Exemplare lebt in den USA.

Wurzeln in Amerika

Der American Water Spaniel hat seine Ursprünge, bevor er 1865 in Amerika als eigene Varietät geführt wurde, in Großbritannien. Hinter dem American Water Spaniel stehen als Ahnen wahrscheinlich der Irish Water Spaniel, vielleicht auch der Field Spaniel oder sogar der nicht mehr existente Old English Water Spaniel.

Dr. F.J. Pfeifer züchtete die Rasse in New London (Wisconsin) seit 1920, erarbeitete den Standard und ab 1940 wurde der AWS als eigene Hunderasse in den USA anerkannt. Er ist außerdem „Statedog“ von Wisconsin.

Vielseitiger Jagdhund

Er wird in den USA noch vielfach wie früher zur Jagd von Wasservögeln gebraucht, man schätzt ihn aber mittlerweile auch als vielseitigen Jagdhund.

Der AWS ist aber ebenso als Familienhund sehr beliebt. Wichtig ist es, ihn genügend zu fordern, sei es beim Apportieren mit dem Dummy, beim Mantrailing oder anderen Arten von Hundesport.

Leichtführiger Familienhund

Der AWS ist seinen Menschen gegenüber überaus freundlich und möchte ihm gefallen. Mit Kindern und Haustieren versteht er sich sehr gut. Fremden gegenüber kann er zunächst etwas reserviert sein, was er zum Teil durch Bellen zeigen könnte. Sein Verhalten verrät hohe Intelligenz und Lernfreude, er zeichnet sich durch seine große Energie aus und er zeigt viel Eifer und Freude bei der Jagd und im Spiel. Er lässt sich aber nach gezieltem Training hervorragend abrufen und ist somit ausgesprochen kontrollierbar im Feld. Wie sein Name schon verrät, liebt er das Wasser und er schwimmt, spielt und arbeitet sehr gerne in diesem Element.

Variantenreiches Aussehen

Sein Aussehen ist nicht einheitlich. Es gibt den AWS in den Farben Braun, Schokoladenbraun und Leberbraun. Ein wenig Weiß an den Zehen und an der Brust ist erlaubt. Das Haar kann von „onduliert“ (einheitlich gewellt) bis zu eng gelockt reichen.

Die Menge der Wellen oder Locken kann bei demselben Hund von einem Körperteil zum anderen variieren. Die Haarpflege ist nicht sehr aufwändig.

Der Körper das AWS ist länger als hoch und im Gegensatz zu vielen anderen Spanielrassen ist er in der Hinterhand nur wenig gewinkelt.

Rüden wiegen von 13,5 bis 20,5 kg und Hündinnen zwischen 11,5 und 18 kg.

Rüden und Hündinnen haben eine Höhe von 38 - 46 cm. Die Hündinnen neigen dazu, etwas kleiner und leichter zu sein als die Rüden.

Es gibt keinen Vorzug hinsichtlich der Größe innerhalb der genannten Maβe. Entscheidend ist, dass eine korrekte Proportion, gute Substanz und Ausgewogenheit bewahrt wird.

Yvonne Wild


Die ungleichen Brüder

Die ungleichen Brüder

Von Dr. Peter Beyersdorf

Artikel aus dem DJ 3/2016

 

Die Wasserspaniels, der Irish Water Spaniel und der American Water Spaniel, sind jetzt erfreulicherweise beide im Jagdspaniel Klub vertreten. Zu Recht kann also mit der Feststellung geworben werden, dass der JSpK als einziger der Vereine alle neun Spaniel-Rassen in Deutschland vertritt. Der „Amerikaner“ ist seit ein paar Wochen bei uns heimisch geworden und es ist zu wünschen, dass mit der Hündin der Grundstein für eine dauerhafte Population hierzulande geschaffen werden kann. Beide Rassen sind von der FCI, der Weltorganisation für das Hundewesen, als Jagdhunde eingeordnet worden, und zwar in der Gruppe 8 als Wasserhunde, das heißt, sie benötigen für den Titel „Internationaler Schönheitschampion“ eine Arbeitsprüfung.

Der Irish Water Spaniel ist eine sehr alte Rasse, deren genaue Ursprünge allerdings nicht eindeutig sind. Erste Hinweise auf Wasserhunde, die Wasservögel verfolgen, datieren aus dem Jahr 1600, ohne dass auf die Herkunft dieser Hunde näher eingegangen wurde. Hans Räber hat in seiner Enzyklopädie der Rassehunde“ darauf hingewiesen, dass in früheren Zeiten alle Hunde, die zur Vogeljagd eingesetzt wurden, als „Spaniels“ bezeichnet wurden, so auch der IWS, dessen ‚Äußeres, wie Räber schreibt, ansonsten in keiner Weise an einen Spaniel erinnert. So scheint es wahrscheinlich zu sein, dass der moderne Irische Wasserspaniel auf ureigene Vorfahren in Irland und auf den lange ausgestorbenen English Water Spaniel zurückgeht. Seit 1890 gibt es den „Irish Water Spaniel Club“ in Irland, die Hunde wurden bereits in dieser Zeit auf Ausstellungen gesehen.

Besonderes Kennzeichen des Hundes ist der dünn behaarte Rattenschwanz, der etwa in Höhe der Rückenlinie getragen wird. Die Rute ist glatt, kräftig und dick am Ansatz und dort ein Stück mit kurzen Locken bedeckt und dann sich allmählich verjüngend und in einer „feinen Spitze“ endend. Sie reicht bis zum Sprunggelenk. Der Standard beschreibt ihn als einen eleganten Hund mit aufrechter Haltung, kräftig gebaut, kompakt und gedrungen. Seine Größe liegt unterschiedlich für Rüden und Hündinnen zwischen 51 und 59 Zentimeter. Typisch für die Rasse ist der hochgewölbte Schädel mit guter Länge und Breite, ein Haarschopf (Topknot) bestehend aus langen, losen Locken soll zwischen den Augen in einer deutlichen Spitze enden. Vollkommen glatt soll dagegen das Vorgesicht sein.

Weiter fordert der Standard einen tonnenförmigen Körper mit ausgeprägter Rippenwölbung. Das dunkelbraune, gelockte Haarkleid ist ein weiteres Charakteristikum der Rasse. „Dichte, feste krause Ringellöckchen ohne jede Wolligkeit, aber auf natürliche Weise fettig soll es sein.“ Am Hals, vom Ansatz des Unterkiefers bis zum Brustbein ist eine V-förmige Fläche mit glattem Haar gewünscht – gelegentlich erscheint sie im Ausstellungsring „frisch rasiert“. Die Vorderläufe sollen rundherum mit Locken bedeckt sein, die Hinterläufe vorn glatt und auf der Hinterseite bis zu den Pfoten mit Locken bedeckt sein. Die Gesamterscheinung und auch seine Bewegungsabläufe haben ihm die Bezeichnung „Clown unter den Spaniels“ eingebracht. Es ist zu bedauern, dass der IWS in den letzten Jahren im Ausstellungsring seltener zu sehen ist und auf unseren jagdlichen Prüfungen leider nur selten auftritt. Dazu kommt allerdings erschwerend hinzu, dass es eine für den Wasserspaniel spezifische Prüfung im JSpK nicht gibt.

Der Amerikanische Wasserspaniel soll jetzt in Deutschland Fuß fassen. Noch ist er eine Rarität, mit 38 bis 46 Zentimeter deutlich kleiner als der IWS. Er weist eine einmalige Besonderheit auf, nämlich das Haarkleid. Es kann onduliert sein, also einheitlich gewellt, aber auch eng gelockt, und es ist sogar möglich, dass beide Haarmöglichkeiten bei einem- und demselben Hund zu finden ist. Im Gegensatz zum Iren ist über den Amerikaner und seine Herkunft etwas mehr bekannt. Die Rasse soll um 1850 aus dem Bedürfnis der amerikanischen Jäger „geschaffen“ worden sein, einen vielseitig einsetzbaren Hund für die Jagd auf dem Wasser, aber auch als Stöberer auf dem Land zu haben. Das gilt übrigens bis zum heutigen Tag; der AWS, der in Europa nie Verbreitung gefunden hat, ist in den USA immer noch populär und unter den Jägern beliebt.

Der Standard schreibt unter „Verwendung“: Der Amerikanische Wasserspaniel wurde in den Vereinigten Staaten als ein vielseitig brauchbarer Jagdhund entwickelt, gezüchtet zum Apportieren vom Skiff oder Kanu aus und zur Arbeit auf dem Land, das mit relativer Leichtigkeit. Und auch das „Allgemeine Erscheinungsbild, wie es der Standard formuliert, weist eindeutig auf seine Aufgaben hin: Die Rede ist von einem aktiven, muskulösen Hund von mittlerer Größe. Von besonderer Bedeutung ist eine zweckmäßige Größe. Ein stabil gebauter und gut bemuskelter Hund, voller Kraft und Qualität. Die ‚Rasse hat so viel Substanz und Knochen wie nötig, um die gesamte Muskulatur zu tragen, aber nicht so viel, um schwerfällig zu erscheinen. Auch bei den Proportionen wird gleich deutlich, wozu der Hund geschaffen ist: Er soll gering länger als hoch sein, nicht zu quadratisch oder kompakt, allerdings ist die genaue Proportion nicht so wichtig wie die gute Ausgewogenheit und Gesundheit des Hundes, er muss fähig sein, die gewünschten rassespezifischen Aufgaben zu erfüllen, und um gewissermaßen noch etwas oben drauf zu packen, steht unter Verhalten/Charakter(Wesen): Das Verhalten verrät Intelligenz, Eifer um zu gefallen und Freundlichkeit, große Energie und Eifer bei der Jagd, dennoch kontrollierbar im Feld. Eine Beschreibung, die jedem jagdlich interessierten Hundefreund gefallen müsste.

Der AWS taucht in den Farben Leberbraun, Braun oder dunkles Schokoladenbraun auf, etwas Weiß an der Brust oder an den Zehen ist erlaubt. Der Hund soll sich mit gut ausgewogenem Schub und Raumgriff bewegen, im Kommen und Gehen wird Parallelität gefordert, und: „Von hinten betrachtet, sollte man den Eindruck bekommen, dass die Hinterläufe, die gut bemuskelt und nicht kuhhessig sind, sich so parallel wie möglich bewegen, mit Sprunggelenken, die aktiv an der Bewegung mitwirken sowie gut biegsam sind, Kraft und Stärke besitzen. Die Halter des Amerikanischen Wasserspaniels haben, was das Haarkleid betrifft, eine vom Standard ausdrücklich zugestandene „Freiheit“: Es, das Haarkleid, darf getrimmt sein, um ein gut gepflegtes Äußeres zu bieten, der Behang darf rasiert sein, „aber keines von beiden wird gefordert“.