Für den eiligen Leser

Von seiner Herkunft ist der American Cocker Spaniel ein Jagdhund, obwohl dies heute keine nennenswerte Rolle mehr spielt. Gleichwohl ist diese Herkunft wichtig, weil dadurch ganz wesentlich seine Bewegungsfähigkeit und sein Wesen geprägt wird. Der "Ami", wie er auch liebevoll genannt wird, hat weder die Fähigkeiten seiner Nase verloren, noch seine Bewegungsfreude und Ausdauer. Der American Cocker Spaniel ist das kleinste Mitglied in der Spaniel Familie.

Der "Ami" ist temperamentvoll und liebt Bewegung. Er ist leicht zu erziehen und hängt an seiner Familie. Sein Gehorsam und seine leichte Führigkeit sind ihm bereits in die Wiege gelegt.
Neben diesen Fakten muss man aber eines feststellen: wer in diese wachen und intelligenten Augen blickt, kann sich der Faszination dieser Rasse nicht entziehen.

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Rassestandard - American Cocker Spaniel

Ursprungsland: Vereinigte Staaten von Amerika
Standardnummer: 167
Widerristhöhe: Rüden: ca. 38 cm, Hündinnen: ca. 35 cm
Gewicht: ~12.5 - 16 kg
Verwendung: Stöberhund, Begleithund
FCI-Gruppe 8: Apportierhunde - Stöberhunde - Wasserhunde
Sektion 2 Stöberhunde. Mit Arbeitsprüfung.
 
 
Allgemeines Erscheinungsbild: Der Amerikanische Cocker Spaniel ist das kleinste Mitglied in der Gruppe der Hunde für Jagd- und Fischereiliebhaber. Er hat ein kräftiges, kompaktes Gebäude, einen fein gemeibelten, edlen Kopf und ist insgesamt ein völlig ausgewogener Hund von idealer Gröbe. Er steht gut
aufgerichtet auf geraden Vorderläufen, wobei die Rückenlinie leicht abfällt bis hin zur kräftigen, angemessen gewinkelten, bemuskelten Hinterhand. Er ist ein Hund, tauglich zu beträchtlicher Schnelligkeit, verbunden mit grosser Ausdauer. Vor allem muss er ungezwungen und fröhlich sein, gesund, insgesamt gut ausgewogen und in der Bewegung eine grobe Neigung zur Arbeit zeigen. Ein in allen Teilen gut ausgewogener Hund ist wünschenswerter als einer mit stark
gegensätzlichen guten Punkten und Fehlern.
 

Ein echter „Eyecatcher“

Dieser Augenaufschlag schrieb Filmgeschichte

Von Bianka Titus-Langer

Unvergessen ist der schüchtern-verschämte Blick aus den haselnussbraunen, großen Hundeaugen mit den schier endlos langen Wimpern. „Suzie und Strolch“ ist einer der romantischsten Disney-Klassiker aller Zeiten. Wer erinnert sich nicht an die grandiose Szene, jenes romantische Spagetti-Dinner, bei dem sich die vornehme Cockerspaniel-Dame „Suzie“ und der kecke Streuner „Strolch“ näherkommen.

Der begnadete Zeichner und Hundeliebhaber Walt Disney traf mit der liebevollen Darstellung seiner Suzie voll ins Schwarze. Noch heute erobert die bezaubernde Liebesgeschichte zwischen dem wohlbehüteten Cockermädchen und dem frechen Strolch die Herzen der Zuschauer. Mit seinem untrüglichen Gespür für das Wesentliche und seiner magischen Ausdruckskraft hat Disney in diesem Film ein bezauberndes Porträt des American Cocker Spaniels gezeichnet.

In den USA steht der American Cocker jedenfalls schon lange an der Spitze der Hundehitparade. Filmstars wie Shirley Temple oder Lauren Bacall hatten ihr Herz an einen Ami-Cocker verloren. Talkqueen Oprah Winfrey ist derzeit wohl die bekannteste Prominente, die gleich zwei Amis an ihrer Seite hat. Ein Leben ohne ihre Hunde, kann sie sich nicht mehr vorstellen. Kein Wunder, denn das kleinste Mitglied der Spanielfamilie, jener fröhliche, charmante Kobold, vereint in sich alles, wovon sicherlich jeder Hundefreund träumt: Schönheit, handliche Größe, Intelligenz, Anpassungsfähigkeit, Charme und Charakter.

Angeblich lässt sich die Geschichte des American Cockers bis zu den Pilgervätern zurückverfolgen. Als im September 1620 die „Mayflower“ in Plymoth in See stach, waren neben 102 Passagieren und 31 Mann Besatzung auch zwei Hunde an Bord: ein Mastiff und ein Spaniel. Sicherlich eine romantisch angehauchte Erzählung! Doch erst mit der Gründung des American Kennel Clubs im Jahr 1881 lässt sich die Geschichte des Ami-Cockers fundiert zurückverfolgen.

Wurzeln in England

Die Wurzeln dieser bezaubernden Hunderasse liegen in England. Dort wurde im Juni 1879 der schwarze Champion „Obo“ aus einer heute eher seltsam anmutenden Verbindung geboren – sein Vater war ein Sussex-Spaniel, seine Mutter eine Field-Spaniel-Hündin. Dazu muss man wissen, dass man damals die Spaniels hauptsächlich nach Gewicht und Größe selektierte. Und das war auch der Grund, warum „Obo“ letztendlich als Cocker-Spaniel in das Zuchtbuch des Englischen Kennel Clubs eingetragen wurde. Der schwarze Rüde war als Top-Champion ungeschlagen. Kein Wunder, dass er der begehrteste Zuchtrüde seiner Zeit war und so zum Stammvater der modernen Cockerzucht avancierte. Letztendlich prägte er zwei Rassen: den Englischen Cocker und den American Cocker.

„Obo“ selbst verließ nie englischen Boden. Doch schon damals, wenn auch mit einem enormen Aufwand, kauften ausländische Züchter Spaniels begehrter, traditioneller Linien aus dem Mutterland, um die eigenen Zuchten nachhaltig zu verbessern. So wurde die Hündin „Cloe II“ von „Obo“ tragend in die Vereinigten Staaten exportiert, wo sie ihre Welpen zur Welt brachte. Einen schwarzen Rüden aus dem Wurf benannte der Züchter nach dessen berühmten Vater – „Obo II“. Dieser trat in die Fußstapfen seines Vaters. „Obo II“ errang das Championat und wurde zu einem der gefragtesten Deckrüden in den USA. Bis in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gab es kaum einen Cocker-Spaniel, durch dessen Adern kein „Obo“-Blut floss. Ebenso klangvolle wie bedeutende Namen der amerikanischen Cockerzucht zählen zu seinen Nachkommen.

Siegeszug in USA

Betrachtet man historische Aufnahmen dieser Hunde, erkennt man schnell, dass in Amerika schon vor 100 Jahren der Grundstein für eine zweite Cocker-Spaniel-Rasse gelegt wurde. Unaufhaltsam trifteten die zwei verschiedenen Zuchtrichtungen des Cockers auseinander: neben dem traditionellen, englischen Typ entwickelte sich der neue, amerikanische Typ – dieser war ein ganzes Stück kleiner, kompakter und üppiger im Haarkleid. Auffallend schon damals: der rundliche Kopf, der kürzere Fang und die runden, vollen Augen. Das alles passte mehr als beim englischen Cocker-Typ in das Kindchen-Schema und war sicherlich ein Grund für den Siegeszug des American Cockers in den USA. 1943 wurde der American Cocker-Spaniel durch den American Kennel Club als eigenständige Rasse anerkannt und ein eigener Rassestandard festgelegt.  1946 folgte die Anerkennung durch den englischen Kennel Club.

Der Standard beschreibt den American Cocker-Spaniel als kleinstes Mitglied in der Gruppe der Jagdhunde. „Er hat ein kräftiges, kompaktes Gebäude und einen edel gemeißelten Kopf, insgesamt ein völlig ausgeglichener Hund von idealer Größe. (…) Er ist ein Hund, tauglich zu beträchtlicher Schnelligkeit, verbunden mit großer Ausdauer. Vor allem muss er ungezwungen und fröhlich sein, gesund, insgesamt ausgeglichen und in der Bewegung eine große Neigung zur Arbeit zeigen; gleichmäßig im Temperament, ohne Anzeichen von Ängstlichkeit.“ So sagt es der Standard.

Ein echter „Eyecatcher“

Liebhaber behaupten, dass der Ami-Cocker eine der auffälligsten und schönsten Hunderassen ist. Sein Aussehen ist unvergleichlich elegant. Sein typvoller, edler Kopf mit den sanften, dunklen Augen und sein üppiges Haarkleid machen ihn zu einem echten Eyecatcher. Nahezu spektakulär ist es, wenn er in seiner schwungvollen Aktion zu sehen ist. Der American Cocker muss laut Standard die typische Gangart eines Jagdhundes besitzen. Voraussetzung für eine gute Gangart ist die Ausgewogenheit zwischen Vorder- und Hinterhand. Seine Gang ist koordiniert, schwungvoll, raumgreifend und mühelos. Kraftvoll und raumgreifend soll sein Bewegungsablauf sein. Fotoaufnahmen eines typvollen Ami-Cockers im Showring tragen nahezu immer einen Hauch von Poesie – nicht zuletzt deswegen, weil das Haarkleid in der harmonischen, fließenden Bewegung beinahe künstlerische Akzente setzt.

Der American Cocker ist fröhlich, sanft und intelligent. Er ist amüsant, verspielt und anhänglich. Gehorsam und Leichtführigkeit sind rassetypische, angeborene Charaktereigenschaften. Das alles macht ihn natürlich zum idealen Begleit- und Familienhund. Die ideale Höhe liegt laut Standard für einen ausgewachsenen Rüden bei 38,10 cm (15 Inch) und für eine ausgewachsene Hündin bei 35,56 cm (14 Inch). Das sind natürlich handliche Maße. Deshalb ist der American Cocker sowohl für ein Leben in der Stadt als auch auf dem Land geeignet.

Grundsätzlich ist der American Cocker-Spaniel ein Jagdhund und kann seine ursprüngliche Verwendung nicht verleugnen. Er ist ein bewegungsfreudiger, temperamentvoller, ausdauernder Hund, der ausgedehnte Spaziergänge liebt. In seinem Mutterland, den Vereinigten Staaten, aber auch in Schweden wird der Ami noch immer bei der Jagd eingesetzt, zum Beispiel beim Apportieren von Federwild. Dabei arbeitet er mit ausgesprochener Passion und untrüglichem Instinkt. Es ist eine wahre Freude, diesem kleinen, quirligen Jagdhund zuzusehen.

Leichtführiger Familienhund

Aber keine Angst, der kleine Kobold ist trotz seiner Herkunft und seiner jagdlichen Passion, als Familienhund bestens geeignet. Falls er beim Spaziergang zufällig auf Wild stößt, lässt er sich leicht zurückrufen und ist bestimmt nicht für längere Zeit im Dickicht verschwunden. Da er engen Kontakt zu seinen Menschen sucht, ist er weitaus gehorsamer und anhänglicher als so manch andere Jagdhunderasse. Das ist auch seiner raschen Auffassungsgabe und nicht zuletzt seinem «Will to please» zu verdanken – sprich dem unbedingten Willen, seinen Menschen zu gefallen. Lernfreude, Leichtführigkeit und hohe Sozialverträglichkeit runden seine durchweg positiven Charaktereigenschaften ab.

Wie alle Spaniels liebt der American Cocker Gesellschaft. Er ist ein lustiger, zärtlicher Familienhund. Sein Stimmungsbarometer ist die Rute, die nahezu immer ein fröhliches Rutenspiel zeigt. Der feinfühlige Vierbeiner sucht stets engen Kontakt zu seinen Menschen. Er liebt Kinder und ist ein hervorragender Spielkamerad, der niemals abgeneigt ist, herumzutoben oder zu schmusen. Ganz spanieltypisch trägt er das Herz auf der Hand und ist auch Fremden gegenüber stets freundlich und aufgeschlossen. Zwingerhaltung ist für den Ami-Cocker sozusagen ein Tabu, denn dort würde das gesellige Kerlchen verkümmern – nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch.

Sanftes, intelligentes Wesen

Der American Cocker braucht viel Zuwendung und Aufmerksamkeit. Er sollte gefordert und gefördert werden. Im modernen Hundesport gibt es für den kleinen quirligen Spaniel viele Möglichkeiten, die ihm sicherlich Spaß machen werden. Agility und Obedience sind in diesem Zusammenhang nur zwei Schlagworte. Auch beim Dogdancing macht der Ami eine gute Figur. Sogar als Therapiehund kann er eingesetzt werden, denn durch sein sanftes, intelligentes Wesen ist er dafür wie geschaffen. Grundsätzlich liebt der Ami-Cocker ausgedehnte Spaziergänge in der Natur. Wasser zieht ihn wie alle Spaniels magisch an. Er ist ein begeisterter Schwimmer und wird sicherlich keine Möglichkeit auslassen, eine Erfrischung im kühlen Nass zu suchen.

Der Standard beschreibt das Haar des Amis auf dem Kopf als „kurz und fein“. „Behang, Brust, Bauch und die Beine“ sollen „gut befedert“ sein, „jedoch nicht derart übertrieben, dass die Linien des Hundes verdeckt werden. Die Beschaffenheit des Haarkleides sollte seidig und glatt, höchstens geringfügig gewellt sein.“ Trotz dieser Vorgaben trägt der American Cocker heute meistens ein sehr üppiges Haarkleid. Es bedarf einer guten, regelmäßigen Pflege. Tägliches Bürsten sollte selbstverständlich sein, da in der Haarpracht sonst leicht lästige Haarklumpen entstehen können.

Ab und an muss der Ami-Cocker natürlich auch schön gemacht werden. Ein fachgerechtes Trimmen ist dazu nötig. Am besten holt sich der Welpenkäufer direkt Rat bei seinem Züchter. Für den Laien gilt hier auf jeden Fall: Nicht auf eigene Faust loslegen und an der Haarpracht herumschnippeln! Denn allzu schnell kann durch unsachgemäße Behandlung das Haarkleid auf immer und ewig verdorben sein.

Wie bei allen schlappohrigen Hunderassen sollte man besonderes Augenmerk auf die Gehörgänge haben. Regelmäßige Kontrolle und Säubern der Ohrmuscheln gehören dazu.

Viele Farbvarianten

Den American Cocker gibt es in verschiedenen Farbschlägen. Bei den Einfarbigen sind schwarz oder schokoladenbraun (beide auch mit lohfarbenen Abzeichen), rot oder blond erlaubt. Blond gibt es in allen Schattierungen und kann bis zum hellsten Creme, beinahe Cremeweiß reichen. Wichtig ist aber laut Standard, dass die Tönung des Haares einheitlich sein soll.

Selbstverständlich gibt es auch mehrfarbige Rassevertreter; das heißt die Grundfarbe ist dann weiß mit roten bzw. blonden, schwarzen oder schokoladenbrauen Platten. Die beiden letztgenannten Farben kann es auch mit lohfarbenen Abzeichen geben. Man spricht dann von Tricolor. Alle mehrfarbigen gibt es auch als sogenannte Schimmel. Das bedeutet, dass dann die dunklen Farbpartien von der weißen Grundfarbe nicht klar abgegrenzt sind, sondern das Weiß mit mehr oder weniger pigmentierten Haaren durchzogen ist. Bei dieser großen Farbpalette wird sicherlich jeder seine ganz persönliche Lieblingsfarbe finden.

Letztendlich werden aber die liebenswerten Charaktereigenschaften des American Cocker-Spaniels ausschlaggebend sein, sich für diese bezaubernde Rasse zu entscheiden.

Der Artikel erschien im Schweizer Hundemagazin. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.